Dwarf Eats Mountain hat mich deutlich mehr gepackt, als ich anfangs erwartet hätte. Innerhalb von gerade einmal zwei Tagen habe ich über 20 Stunden in das Spiel gesteckt – und das passiert bei mir wirklich selten.
Das Grundprinzip klingt zunächst simpel: Man baut Waffen und Türme, beschießt damit einen riesigen Berg und sammelt Ressourcen ein. Zwischendurch entstehen kleine Festungen oder „Hives“, die eigene Lebensbalken besitzen. Zerstört man diese, platzen sie auf und hinterlassen Loot. Irgendwann bricht schließlich auch der komplette Berg zusammen und ein neuer erscheint. Dieses Prinzip wiederholt sich bis Level 100, wo dann bestimmte Artefakte gesammelt sein müssen, um den Endboss freizuschalten. Danach geht es in einen Endlosmodus über.
Dabei entsteht eine ziemlich starke Motivation, immer weiterzuspielen. Man möchte ständig wissen, was als Nächstes freigeschaltet wird oder wie stark der nächste Run wird.
Prestige und Ascension sorgen für Langzeitmotivation
Besonders motivierend ist das Meta-Progressionssystem. Über Prestige-Runs sammelt man Punkte, die dauerhaft verschiedene Werte verbessern. Dadurch startet jeder neue Durchlauf schneller und stärker als der vorherige. Türme werden mächtiger, Einheiten schneller und der Ressourcenfluss steigt spürbar an.
Darüber hinaus gibt es noch das Ascension-System, das praktisch einen noch größeren Reset darstellt und zusätzliche langfristige Fortschritte ermöglicht. Genau diese Systeme sorgen dafür, dass man immer wieder „nur noch kurz“ weiterspielen möchte.
Interessant ist dabei auch, dass sich Dwarf Eats Mountain trotz Idle-Einflüssen für mich kaum wie ein klassisches Idle-Game angefühlt hat. Ich hatte in meinen gesamten 20 Stunden praktisch keine AFK-Zeit. Stattdessen war ich permanent am Upgraden, Optimieren und Reagieren.

Viele Systeme, aber nicht immer übersichtlich
So motivierend das Gameplay auch ist, das Spiel hat durchaus Schwächen. Mit zunehmender Spielzeit wird das Zusammenspiel aus Türmen, Skills, Waffen-Upgrades und Artefakten ziemlich unübersichtlich. Teilweise ist nicht sofort nachvollziehbar, welche Verbesserungen sich wie genau auf andere Systeme auswirken. Besonders beim Umwandeln von Waffen bleibt manchmal unklar, welche Skillpunkte weiterhin greifen und welche nicht mehr relevant sind.
Auch die Synergien zwischen den einzelnen Gebäuden und Türmen sind irgendwann schwer komplett zu durchschauen. Allerdings muss man fairerweise sagen, dass das Spiel trotzdem gut funktioniert, selbst wenn man nicht jedes System vollständig versteht. Ich hatte nie das Gefühl, dadurch wirklich festzustecken.
Build-Vielfalt ist grundsätzlich vorhanden, allerdings hatte ich eher den Eindruck, dass ein breiter Ausbau aller Systeme langfristig sinnvoller ist als eine extreme Spezialisierung.

Pixelgrafik mit zunehmendem Effektchaos
Optisch ist Dwarf Eats Mountain ein klassisches Pixelspiel. Anfangs passiert noch relativ wenig auf dem Bildschirm, später eskaliert das Ganze aber regelrecht. Überall fliegen Projektile, Gold, Diamanten und Effekte herum. Genau dieses Chaos erzeugt irgendwann einen ziemlich befriedigenden Spielfluss.
Technisch lief das Spiel bei mir problemlos. Besonders positiv ist mir aufgefallen, wie schnell es startet. Kein langes Intro, kein Hauptmenü – das Spiel ist praktisch sofort spielbereit. Gerade für kurze Sessions zwischendurch ist das extrem angenehm.
Eine etwas seltsame Eigenheit gibt es allerdings beim Fenstermodus. Das Spiel merkt sich die Fenstergröße scheinbar nicht richtig, weshalb ich sie nach jedem Start erneut anpassen musste. Außerdem reagiert die Skalierung etwas merkwürdig verzögert, sehr schwer zu erklären. Ist aber alles kein Beinbruch.
Kein klassischer Kampf, kein Multiplayer
Wichtig zu wissen: Dwarf Eats Mountain ist weder ein klassischer Autobattler noch ein echtes Kampfspiel. Man kämpft nicht gegen Gegner im eigentlichen Sinne. Der Berg schießt nicht zurück, und auch die Hives stellen eher eine kleine Störung als eine echte Bedrohung dar. Verlieren oder sterben kann man praktisch nicht.
Multiplayer oder Ranglisten gibt es ebenfalls nicht. Das Spiel ist komplett auf Singleplayer ausgelegt, was meiner Meinung nach auch völlig ausreichend ist.

Preis-Leistung ist extrem stark
Für rund zehn Euro bekommt man hier überraschend viel Spielzeit geboten. Meine persönliche Rechnung ist immer: Wenn ich pro investiertem Euro ungefähr eine Stunde Spielzeit bekomme, hat sich ein Spiel gelohnt. Dwarf Eats Mountain hat das locker erfüllt. Nach über 20 Stunden liege ich hier eher bei etwa 50 Cent pro Stunde Unterhaltung – und die Zeit hat sich definitiv gelohnt.
Wer auf motivierende Progressionssysteme, Zahlenwachstum und permanente Freischaltungen steht, wird hier wahrscheinlich sehr viel Spaß haben. Wer hingegen mit Idle- oder Incremental-Spielen generell nichts anfangen kann, wird vermutlich auch hier nicht warm werden. Da es keine Demo gibt, sollte man im Zweifel die Steam-Refund-Zeit von zwei Stunden nutzen.
Fazit
Dwarf Eats Mountain ist eines dieser Spiele, die man „nur kurz antesten“ möchte und plötzlich komplett darin versinkt. Die Mischung aus ständigem Fortschritt, Prestige-Systemen und immer neuen Freischaltungen funktioniert erstaunlich gut und hat mich deutlich länger beschäftigt als erwartet.
Nicht alle Systeme sind perfekt erklärt, manche Synergien wirken unnötig kompliziert und echte Gegner fehlen komplett. Trotzdem entsteht ein unglaublich motivierender Gameplay-Loop, der Fans von Idle-, Incremental- und Progressionsspielen definitiv abholen dürfte.