Der Innioasis Y1 weckt schon beim ersten Blick Erinnerungen an den klassischen iPod. Besonders das Bedienrad und die gesamte Formgebung orientieren sich stark an Apples legendären Musikplayern. Gleichzeitig bringt das Gerät moderne Features wie USB-C und Bluetooth mit. Genau diese Kombination aus Retro-Design und moderner Technik war letztlich auch der Hauptgrund für den Kauf. Nach nur zwei Tagen Nutzung fällt das Fazit allerdings ernüchternd aus: Der Player geht zurück an Amazon.

Verarbeitung und erster Eindruck
Der Innioasis Y1 ist vollständig aus Kunststoff gefertigt. Dadurch ist das Gerät angenehm leicht und liegt gut in der Hand, wirkt aber gleichzeitig weniger hochwertig als erhofft. Besonders positiv fällt das Clickwheel auf. Die Navigation durch Menüs funktioniert zuverlässig und angenehm präzise. Gerade dieser klassische Bedienansatz sorgt für viel Nostalgie und macht Spaß.
Zusätzlich besitzt der Player einen integrierten Lautsprecher sowie einen Vibrationsmotor. Der Lautsprecher reicht aus, um kurz Musik vorzuspielen, ersetzt aber natürlich keine richtige externe Box. Der Vibrationsmotor wurde dagegen schnell deaktiviert, da er durch das leichte Plastikgehäuse eher unangenehm wirkt.
Rockbox statt Original-System
Direkt nach dem Auspacken wurde Rockbox installiert. Die originale Firmware kam deshalb praktisch nicht zum Einsatz. Rockbox gilt innerhalb der Community als klare Empfehlung und war letztlich auch ein Kaufargument. Besonders die Theme-Auswahl und die umfangreichen Anpassungsmöglichkeiten gefallen sehr gut. Gleichzeitig benötigt Rockbox allerdings etwas Einarbeitungszeit, besonders wenn man das System vorher noch nie genutzt hat.
Bluetooth sorgt für Probleme
Einer der größten Kritikpunkte ist die Bluetooth-Verbindung. Zwar ließ sich entgegen einiger Aussagen im Internet problemlos ein Bluetooth-Kopfhörer verbinden, in der Praxis zeigte sich die Verbindung aber als instabil. In Kombination mit Sony WH-1000XM3 kam es unterwegs mehrfach zu Aussetzern, sobald sich der Player in derselben Hosentasche wie das Smartphone befand. Erst nachdem beide Geräte getrennt getragen wurden, verschwanden die Probleme. Dadurch entsteht der Eindruck, dass der verbaute Bluetooth-Chip relativ schwach ist und empfindlich auf Störungen reagiert.
Zusätzlich setzt der Player lediglich auf Bluetooth 5.0. Dadurch könnte es Einschränkungen bei neueren Geräten geben, die neuere Standards voraussetzen.
Display enttäuscht im Alltag
Der wohl größte Schwachpunkt des Innioasis Y1 ist das Display. Bereits nach einem Tag Nutzung zeigten sich mehrere feine Mikrokratzer, obwohl sehr vorsichtig mit dem Gerät umgegangen wurde. Das liegt vermutlich daran, dass kein Glas, sondern ein weiches Kunststoffdisplay verbaut wurde. Gerade bei Sonnenlicht werden diese Kratzer schnell sichtbar.
Noch problematischer ist allerdings die schlechte Ablesbarkeit im Freien. Selbst bei maximaler Helligkeit und hellem Theme bleibt das Display draußen nur schwer erkennbar. Mit Dark Theme ist die Nutzung unter Sonneneinstrahlung praktisch unmöglich. Teilweise musste der eigene Schatten genutzt werden, um Inhalte überhaupt erkennen zu können. Moderne Smartphones sind hier deutlich überlegen.
(Das Bild oben zeigt das Gerät auf maximaler Helligkeit in einem Raum, wo keine Sonne zum Zeitpunkt des Fotos gefallen ist und die Rollos halb zugezogen waren.)
Klang und Musiknutzung
Rein klanglich macht der Player dagegen einen ordentlichen Eindruck. Sowohl kabelgebundene Kopfhörer als auch Bluetooth-Kopfhörer liefern einen guten Sound. Für reine Musikwiedergabe erfüllt das Gerät also grundsätzlich seinen Zweck. Genau deshalb wirkt es umso enttäuschender, dass ausgerechnet die Alltagsschwächen so stark ins Gewicht fallen.
Speicher und mögliche Probleme
Gekauft wurde die 128-GB-Version für 79,99 Euro bei Amazon. Im Nachhinein wäre allerdings eher die günstigere 64-GB-Variante interessant gewesen, die zehn Euro weniger kostet. Hintergrund sind Berichte über minderwertige SD-Karten, die im Gerät verbaut sein sollen und teilweise frühzeitig ausfallen. Da der Speicher intern per microSD realisiert wird, müsste das Gerät im Problemfall geöffnet werden. Schrauben gibt es allerdings nicht - das Gehäuse muss aufgehebelt werden, ähnlich wie bei vielen modernen Elektronikgeräten.
Fazit
Der Innioasis Y1 ist ein MP3-Player mit einer starken Grundidee. Das Retro-Design, das Clickwheel und die moderne Kombination aus USB-C, Bluetooth und Rockbox-Unterstützung machen das Gerät auf den ersten Blick äußerst interessant. Besonders wer bewusst Abstand vom Smartphone nehmen möchte, findet hier einen spannenden Ansatz.
Im Alltag überwiegen jedoch die Schwächen. Das schlecht ablesbare Display, die schnelle Kratzerbildung und die instabile Bluetooth-Verbindung passen nicht zu einem Preisbereich von 70 bis 80 Euro. Für deutlich weniger Geld wären diese Mängel vielleicht noch akzeptabel gewesen, in dieser Preisklasse gibt es aber vermutlich interessantere Alternativen. Deshalb geht der Innioasis Y1 nach kurzer Zeit wieder zurück.