
Ich muss sagen, dass ich vom Konzept der Steam Machine von Anfang an sehr angetan war. Als das Gerät angekündigt wurde, war ich positiv überrascht und hatte durchaus vor, mir eine zu kaufen – vorausgesetzt, der Preis wäre vernünftig ausgefallen. Für mich wäre die Steam Machine ein nettes zusätzliches Spielzeug gewesen, nicht als Ersatz für meinen Gaming-PC, sondern als ergänzende Plattform.
Zu meinem Hintergrund: Ich besitze bereits einen Gaming-PC mit einer Radeon 9070 XT, einem Ryzen 7 7800X3D und 32 GB RAM. Entsprechend spiele ich in 4K meist mit maximalen Details, teilweise mit FSR oder ähnlichen Technologien, um noch etwas mehr Leistung herauszuholen, die Hardware zu entlasten, den Stromverbrauch zu senken und die Lautstärke im Rahmen zu halten.
Zusätzlich habe ich noch einen separaten Racing-PC für mein Sim-Rig mit einem i7-8700K, 16 GB RAM und einer GeForce 4080.
Entsprechend bin ich sicherlich nicht die Zielgruppe, die auf eine Steam Machine angewiesen wäre. Trotzdem fand ich das Konzept spannend und hätte das Gerät gerne unterstützt. Doch dann kam der Preis.
Seit gestern kann die Steam Machine für mindestens 1.039 Euro bestellt werden, sofern man überhaupt durch die Lotterie gezogen wird und eine Kaufberechtigung erhält. Das war für mich bereits der erste große Schlag ins Gesicht. Zwar hatte ich nach den zuletzt gestiegenen Preisen bei Valve-Hardware bereits mit einem höheren Preis gerechnet, aber vierstellige Beträge für das Einstiegsmodell haben mich dennoch enttäuscht.
Doch damit war die Ernüchterung noch nicht vorbei. Bereits einen Tag später tauchten die ersten echten Benchmarks auf, und die werfen für mich noch größere Fragen auf. Im Vorfeld war von der sechsfachen Leistung eines Steam Decks die Rede. In den tatsächlichen Gaming-Benchmarks sehe ich davon allerdings wenig. Der Leistungssprung ist vorhanden, keine Frage. Für mich wirkt er aber eher wie das Dreifache als das Sechsfache.
Ernüchternd finde ich dabei, dass ein Teil der ersten Benchmarks sogar noch mit den gleichen Presets und der gleichen Auflösung wie auf dem Steam Deck durchgeführt wurden. Gerade unter diesen Bedingungen hätte ich einen deutlich größeren Leistungssprung erwartet. Natürlich ist die Steam Machine schneller, aber die tatsächlichen Ergebnisse wirken auf mich weit entfernt von den angekündigten Erwartungen. Noch problematischer wird es, sobald die Auflösung erhöht wird. In Hogwarts Legacy schafft das Gerät in 1080p auf Ultra mit FSR teilweise nicht einmal 30 FPS. Forza Horizon 6 kommt in 1080p auf High auf rund 70 FPS. Baldur's Gate 3 und Metro Exodus liegen in 1440p auf Ultra bei etwa 45 FPS. Starfield erreicht in 1080p Ultra rund 41 FPS und The Elder Scrolls IV: Oblivion Remastered fällt in 1080p Ultra auf unter 30 FPS. Für ein Gerät, das über 1.000 Euro kostet und als große neue Steam-Hardware positioniert wird, sind das Werte, die mich ehrlich gesagt ziemlich ernüchtern. Zumal das Gerät als Fernsehr Gerät abgezielt wird und die meisten TVs werden wohl mitterlweile 4K haben, was mit der Steam Machine sogut wie unmöglich sein wird, solang es keine 2D bzw. Pixel Games oder sehr grafisch anspruchslose Spiele sind.
Richtig kritisch wird es für mich im Vergleich zur Konkurrenz. Die Steam Machine wurde unter anderem gegen die normale PS5 und die PS5 Pro getestet. Die PS5 stammt aus dem Jahr 2020 und ist damit inzwischen fast sechs Jahre alt. Trotzdem schafft sie es in einigen Titeln, mehr Bilder pro Sekunde darzustellen als die neue Steam Machine. Die PS5 Pro wiederum rasiert die Steam Machine in manchen Vergleichen regelrecht weg – und das bei einem deutlich niedrigeren Preis.
Man darf dabei auch nicht vergessen, dass bei den 1.039 Euro für die Steam Machine nicht einmal ein Controller enthalten ist. Bei der PS5 Pro für 849 Euro gehört der Controller dagegen zum Lieferumfang.
Deshalb stelle ich mir die Frage, was Valve mit diesem Gerät eigentlich erreichen möchte. Natürlich möchte man Geld verdienen, das ist selbstverständlich. Aber wer soll die Steam Machine zu diesem Preis kaufen?
PC-Spieler bekommen für über 1.000 Euro bereits sehr leistungsfähige Hardware oder besitzen diese bereits. Konsolenspieler erhalten mit der PS5 oder PS5 Pro eine günstigere Alternative mit teilweise besserer Leistung. Und Gelegenheitsnutzer dürften von dem Preis ohnehin abgeschreckt werden.
Wäre es nicht sinnvoller gewesen, die Hardware mit geringeren Margen oder sogar mit Verlust zu verkaufen, um langfristig mehr Nutzer in das Steam-Ökosystem zu holen? Valve verdient schließlich nicht nur an Hardware, sondern vor allem am Steam Store. Neue Nutzer könnten über die Steam Machine an die Plattform gebunden werden und dort über Jahre hinweg Spiele kaufen.
Aktuell habe ich jedoch große Zweifel daran, dass diese Strategie aufgeht. Die erste Charge wird vermutlich trotzdem schnell ausverkauft sein. Dafür dürften neben interessierten Fans leider auch zahlreiche Scalper sorgen. Langfristig sehe ich aber erhebliche Probleme. Sollte der Preis auf diesem Niveau bleiben, könnte Valve meiner Meinung nach auch mit dem zweiten Versuch einer Steam Machine scheitern – und erneut wäre der Preis einer der Hauptgründe.
Was mir zusätzlich Sorgen macht, ist die Frage nach zukünftiger Hardware. Besonders gespannt bin ich auf das Steam Frame, das ich eigentlich fest als Kauf eingeplant hatte. Für mich wäre es der potenzielle Nachfolger meiner Meta Quest 3, vor allem wegen der Möglichkeiten für Wireless-PCVR und native Steam-Spiele direkt auf dem Gerät.
Nach der Vorstellung der Steam Machine rechne ich mittlerweile aber auch dort mit einem Preis von deutlich über 1.000 Euro.
Mich würde interessieren, wie ihr das Ganze seht. Bin ich mit meiner Einschätzung zu kritisch oder hat Valve die Steam Machine eurer Meinung nach ebenfalls zu teuer angesetzt? Und wer ist aus eurer Sicht überhaupt die Zielgruppe für ein Gerät in dieser Preisklasse?