Ich möchte hier mal ein bisschen unbezahlte Werbung für GOG machen. Nicht, weil ich von denen irgendwas bekomme, sondern weil ich das Konzept hinter der Plattform für unterstützenswert halte und glaube, dass viele GOG gar nicht wirklich auf dem Schirm haben.

Der wichtigste Punkt für mich ist dabei ziemlich simpel: Ich möchte möglichst viel Kontrolle über die Dinge haben, für die ich Geld bezahle.
Bei digitalen Käufen ist das nämlich längst nicht so selbstverständlich, wie der Begriff "kaufen" vermuten lässt.
In den meisten digitalen Stores kauft man streng genommen nicht das Spiel, den Film oder die Musik selbst, sondern eine Nutzungslizenz. Wie viel einem diese Lizenz langfristig bringt, hängt dann unter anderem von der Plattform, den Servern, den Lizenzvereinbarungen und dem jeweiligen Anbieter ab.
Dass das nicht nur ein theoretisches Problem ist, hat die Vergangenheit oft genug gezeigt.
Sony hat es mit StudioCanal sogar mehrfach geschafft: Bereits 2022 verloren Kunden in Deutschland und Österreich den Zugriff auf Hunderte zuvor gekaufte Filme und Serien. 2026 wiederholt sich das Ganze in anderen europäischen Märkten. Zum 1. September sollen dort erneut über 500 bereits gekaufte StudioCanal-Titel aus den PlayStation-Bibliotheken verschwinden.
Auch bei Spielen gibt es Beispiele dafür, dass bereits gekaufte Titel nachträglich verändert werden.
Ein gutes Beispiel ist GTA: San Andreas. Rockstar veröffentlichte 2014 ein Update für die Steam-Version, bei dem unter anderem mehrere Songs aufgrund ausgelaufener Musiklizenzen entfernt wurden. Zusätzlich verschwanden bestimmte Auflösungsoptionen und ältere Spielstände machten teilweise Probleme. Man hatte also ursprünglich ein bestimmtes Produkt gekauft und bekam Jahre später eine veränderte Version davon.
Ein weiteres Beispiel ist Warcraft III. Mit der Veröffentlichung von Warcraft III: Reforged wurde auch die klassische Version in den neuen Client überführt. Selbst Besitzer des Originals mussten fortan den Reforged-Client verwenden, wobei zunächst einige Funktionen des alten Spiels fehlten. Ein Teil davon wurde später wieder ergänzt.
Genau solche Fälle zeigen für mich, wie wenig Kontrolle man teilweise über digital gekaufte Spiele hat. Bei GOG kann ich mir dagegen den vollständigen DRM-freien Offline-Installer sichern. Selbst wenn ein Spiel später aus dem Verkauf verschwindet oder eine neue Version verändert wird, bleibt meine gesicherte Version davon unberührt.
Was macht GOG anders?
Das große Stichwort lautet: DRM-frei.
GOG verlangt bei seinen Spielen grundsätzlich keine Aktivierung und keine permanente Onlineverbindung für den Singleplayer. Noch wichtiger ist für mich aber, dass man sich für seine gekauften Spiele vollständige Offline-Installer herunterladen kann.
Ich kann mir also beispielsweise den Installer eines Spiels herunterladen, auf meinen Server, eine externe SSD oder sonst wohin packen und dort archivieren.
Wenn ich das Spiel in fünf oder zehn Jahren installieren möchte, brauche ich dafür weder GOG Galaxy noch zwingend einen Login bei GOG. Selbst wenn GOG irgendwann nicht mehr existieren sollte, habe ich meinen Installer weiterhin und kann das Spiel installieren.
Vorausgesetzt natürlich, ich habe ihn vorher heruntergeladen und gesichert.
Auch Updates sind dadurch weniger problematisch. Wenn eine neue Version eines Spiels beispielsweise Inhalte entfernt oder irgendetwas verändert, was mir nicht gefällt, kann ich meine gesicherte ältere Version behalten. GOG selbst nennt genau diese Freiheit als einen der Vorteile seines DRM-freien Modells.

GOG Galaxy ist dabei komplett optional.
Wer einen klassischen Launcher möchte, kann Galaxy benutzen. Wer darauf keine Lust hat, lädt seine Spiele einfach über die Webseite herunter und installiert sie ohne Launcher.
Eine Sache sollte man dabei allerdings fairerweise klarstellen:
Auch bei GOG erwirbt man juristisch nicht plötzlich das Copyright oder uneingeschränktes Eigentum an einem Spiel. Auch GOG spricht in seinen Nutzungsbedingungen von einer persönlichen Nutzungslizenz. Der entscheidende Unterschied ist für mich deshalb weniger die juristische Definition von "Besitz", sondern die praktische Kontrolle über das gekaufte Produkt.
Und diese Kontrolle ist bei einem DRM-freien Spiel mit einem vollständigen Offline-Installer für mich erheblich größer als bei einem Spiel, dessen Start davon abhängt, ob irgendein Server in zehn Jahren noch erreichbar ist.
Auch GOG hat Mods
Was ich bei GOG ebenfalls ziemlich cool finde, sind die mittlerweile angebotenen One-click Mods.
Dabei arbeitet GOG mit Mod-Entwicklern zusammen und bietet ausgewählte Mods so an, dass man sich nicht mehr selbst mit der Installation und irgendwelchen Abhängigkeiten beschäftigen muss. Besitzt man das benötigte Hauptspiel auf GOG, kann man die Mod einfach kostenlos herunterladen und direkt loslegen.
Ein gutes Beispiel ist The Elder Scrolls III: Morrowind mit Tamriel Rebuilt. Statt OpenMW, die Mod und weitere benötigte Komponenten selbst einzurichten, bekommt man bei GOG eine fertig vorbereitete Version und kann sie praktisch wie ein eigenes Spiel installieren.
Gerade bei größeren Mods oder Total Conversions finde ich das ziemlich angenehm, weil dadurch auch Leute problemlos Mods ausprobieren können, die sich normalerweise nicht mit manuellen Installationen beschäftigen möchten.

Aber Steam ist doch viel besser?
In einigen Punkten definitiv.
Ich bin auch kein Steam-Gegner. Ganz im Gegenteil.
Steam ist als Plattform deutlich umfangreicher. Die Community-Funktionen sind besser, es gibt Screenshots, Guides, Foren, den Workshop, umfangreiche Mod-Unterstützung, Freunde, Community-Hubs und allgemein ein sehr ausgereiftes Ökosystem.
Und der wahrscheinlich größte Vorteil:
Die Auswahl ist gigantisch.
GOG hat bei weitem nicht die Spielebibliothek von Steam. Viele Spiele erscheinen überhaupt nicht dort.
Allerdings kommen mittlerweile durchaus auch größere und brandneue Spiele direkt zu GOG.
Zum Beispiel erscheint The Blood of Dawnwalker am 3. September 2026 direkt auf GOG und Transport Fever 3 am 29. September 2026 ebenfalls. Beide können dort DRM-frei gekauft werden.
Es ist also längst nicht mehr nur der Shop für irgendwelche uralten DOS-Spiele, auch wenn die Klassiker natürlich weiterhin einen großen Teil der DNA von GOG ausmachen.
Es gibt aber auch einen wichtigen Nachteil bei GOG
Und den möchte ich nicht verschweigen.
Manche Entwickler und Publisher behandeln ihre GOG-Version leider schlechter als die Steam-Version.
Es fehlen teilweise Updates, DLCs, Soundtracks, bestimmte Funktionen, Betriebssystem-Versionen oder einzelne Sprachen.
Dafür kann nicht automatisch GOG selbst etwas. Die Pflege der jeweiligen Version liegt schließlich auch beim Entwickler beziehungsweise Publisher. Für uns als Käufer ist das Ergebnis aber natürlich trotzdem relevant.
Mittlerweile gibt es deshalb eine von der Community gepflegte Liste namens "Games that treat GOG customers as 2nd Class".
Stand August 2026 sind dort über 1.100 Spiele mit insgesamt mehr als 1.500 Unterschieden beziehungsweise Problemen dokumentiert. Darunter fehlende Updates, DLCs, Soundtracks, Sprachen oder Builds.
Die Liste findet ihr hier:
Games that treat GOG customers as 2nd Class v3
Google Docs
Die nutze ich mittlerweile selbst vor einem Kauf. Wenn ich ein Spiel auf GOG kaufen möchte, schaue ich kurz nach, ob es dort irgendwelche relevanten Nachteile gegenüber Steam gibt.
Wenn dort beispielsweise nur irgendeine Sprache fehlt, die ich sowieso nicht brauche, ist mir das ziemlich egal.
Fehlt dagegen ein großes Update, ein DLC oder irgendeine wichtige Funktion, kann ich immer noch entscheiden, ob ich in diesem speziellen Fall lieber die Steam-Version kaufe.
Und was ist mit Linux?
Auch da tut sich mittlerweile etwas.
GOG Galaxy gibt es aktuell noch nicht nativ für Linux. GOG hat allerdings inzwischen bestätigt, dass man aktiv an Linux-Support für Galaxy arbeitet. Ein konkretes Erscheinungsdatum gibt es bislang noch nicht.
Bis dahin ist das für mich aber ehrlich gesagt kein großes Problem.
Ich benutze unter Linux den Heroic Games Launcher. Dort kann man sein GOG-Konto verbinden, die Spiele installieren und beispielsweise über Proton starten.
Ich habe mir Heroic inzwischen entsprechend eingerichtet und bin damit wirklich zufrieden. Selbst ältere Spiele laufen damit bei mir bisher erstaunlich problemlos. Spiel installieren und los geht's.
Man braucht also auch als Linux-Nutzer nicht auf GOG zu verzichten.
Warum ich inzwischen zuerst bei GOG schaue
Ich bin mittlerweile wieder stärker dazu übergegangen, digitale Inhalte möglichst so zu kaufen, dass ich langfristig selbst darüber verfügen kann.
Bei Filmen bedeutet das für mich wieder häufiger Blu-ray statt irgendeinen Film dauerhaft in einer Streaming-App zu "kaufen".
Und bei Spielen bedeutet es für mich:
Wenn ein Spiel auf GOG verfügbar ist und die GOG-Version keine relevanten Nachteile hat, kaufe ich es bevorzugt dort.
Nicht weil Steam schlecht wäre.
Nicht weil Valve morgen den Laden dichtmacht.
Sondern weil ich bei GOG die Möglichkeit habe, mein gekauftes Spiel vollständig herunterzuladen, zu sichern und unabhängig von der Plattform aufzubewahren.
Für mich ist das schlicht das kundenfreundlichere Modell.
Steam bleibt für mich weiterhin eine gute Plattform und bei Spielen, die es nicht auf GOG gibt oder deren GOG-Version deutlich schlechter behandelt wird, werde ich auch weiterhin dort kaufen.
Aber wenn ich die Wahl zwischen einer vernünftig gepflegten Steam-Version und einer vernünftig gepflegten DRM-freien GOG-Version habe, nehme ich inzwischen ganz klar GOG.
Vielleicht schaut der ein oder andere beim nächsten Spielekauf einfach mal nach, ob der Titel auch dort erhältlich ist.
Denn je mehr Leute DRM-freie Versionen kaufen, desto interessanter wird die Plattform hoffentlich auch für weitere Entwickler und Publisher.